JARDIN DU LUXEMBOURG
Richtig: es ist Herbst geworden, im Jardin du Luxembourg
fallen,
erwartungsgemäss, die Blätter. Aber wenn die Sonne
scheint, ist es, vor allem am Wochenende, noch immer gar
nicht so leicht einen Metallsessel zu ergattern, um ein
mitgebrachtes Buch oder die Zeitung zu lesen. Dazu übrigens
ein kleiner Hinweis: Es überprüft natürlich
niemand am Eingang, ob man wohl auch eine Lektüre dabei
hat, ein kleiner Stilbruch ist es allerdings schon, wenn
man diesen Park ohne Lesestoff betritt! Schliesslich handelt
es sich bei diesem Juwel von einem Garten um so etwas wie
eine Erweiterung der Sorbonne, einen Lesesaal im Grünen
sozusagen, in dem man
noch dazu ein bisschen französische Geschichte wiederholen
kann: In einem Halbkreis befinden sich die Statuen einer
Reihe von französischen Königinnen.
Leichter wird es dann vielleicht mit den Sitzgelegenheiten
im Winter, wenn Schnee liegt und die Königinnen weisse
Häubchen bekommen haben. Gibt es das überhaupt?
Schon.
Manchmal zumindest, zum Beispiel 1955.
Das Foto davon ist Blickfang am Eingang: Kinder spielen
im Schnee, die Stühle, damals noch ein anderes Modell,
sind aufeinandergestapelt wie vor einem geschlossenen Café,
sie werden bei dem Wetter nicht gebraucht! Weitere Fotos
hängen an dem prachtvollen Gitterzaun des Parks auf
der
gesamten Länge der rue des Médicis. Der Senat,
also die Länderkammer, der in dem Schloss am Nordende
des Parks seinen Sitz hat, richtet an dieser Stelle bereits
zum 12. Mal eine Fotoausstellung aus. Das Thema ist diesmal:
„Instantanés d’un siècle“
(Schnappschüsse des Jahrhunderts)
Zu sehen sind Klassiker der Fotografie: Henri Cartier-Bresson,
Willy Ronis, Robert Doisneau, Raymond Dépardon, André
Kertesz und viele viele andere: Marylin Monroe bei Dreharbeiten,
Catherine Deneuve als Starlett, Picasso in seinem Atelier.
Nicht so schnell zu vergessen: ein anderes Foto von spielenden
Kindern, sie spielen Berliner Mauer (Depardon).
Bis 30. November
SORBONNE
Die Studenten werden in der nächsten Zeit ihr Studium
noch häufiger in den Jardin du Luxembourg verlegen,
schon um dem Baustellenlärm zu entgehen. Die Sorbonne
wird nämlich generalsaniert, und das wird immerhin
10 Jahre dauern.
Auf der place de la Sorbonne gibt es zu diesem Anlass ebenfalls
eine Fotoausstellung. Die Fotos werden vielleicht nicht
unbedingt in die Geschichte der Fotografie eingehen, selbst
vom Mai 1968 haben möglicherweise die meisten Besucher
eindrucksvollere Bilder im Kopf als jene, die hier an einer
provisorisch aufgestellten Wand hängen. Dafür
geben die Schautafeln einen kurzen, jedoch gut zusammengefassten
Überblick über die Geschichte der Universität,
von den Anfängen um 1200 bis heute und dann noch über
die
geplanten Renovierungsarbeiten.
Bis Mitte Januar.
WIEN 1900
Bei den rund hundert Ausstellungen, die im Pariser Veranstaltungskalender
für eine laufende Woche aufscheinen, kann dieser newsletter
narürlich nicht einmal annähernd erschöpfend
sein, es sei aber noch auf eine hingewiesen, diese ist aber
verständlicherweise nicht im Freien:
Klimt, Schiele, Moser, Kokoschka
Die Präsentation von ungefähr 50 Gemälden
und 100 Zeichnungen findet in einem grandiosen Rahmen statt,
im Grand Palais. Genauer gesagt, im Anbau neben diesem grandiosen
Rahmen, denn dieser für die Weltausstellung von 1900
errichtete Prunkbau mit seinem 15000m2 grossen Glasdach
wird seit elf Jahren renoviert. Die Sanierung des Stahlgerippes
und der Verglasung wurde eben
abgeschlossen, nun ist die Fassade an der Reihe. Eine Vorstellung
davon, wie diese aussehen wird, gewinnt man bei einem Blick
auf das Petit Palais gegenüber, von dem die Baustellenabdeckung
eben entfernt wurde!
Bis 23. Januar
WEINLESE
Eine Weingegend so wie Wien ist das Stadtgebiet von Paris
freilich nicht.
Allerdings......
Wein wurde hier schon immer angebaut, heute gibt es noch
oder wieder gezählte vier Weingärten in Paris.
Die haben zwar eher eine symbolische Bedeutung, nichtsdestotrotz
findet aber ein grosses Weinlesefest statt:
Fête des vendanges à Montmartre 2005
Am Samstag, dem 8. und Sonntag, dem 9. Oktober, rund um
das Sacré Coeur.
Das Fest wird seit 1934 abgehalten, immer am zweiten Wochenende
im Oktober, mit allem, was dazugehört, also: Winzerkönigin,
Verkostung, Bacchusumzug, Musik, Strassentheater und vor
allem vielen vielen Ständen mit allen möglichen
Leckereien!
SCHOKOLADE
Um bei den Gaumenfreuden zu bleiben:
Vom 22. –25. Oktober: 11. Salon Européen du
Chocolat de Paris
Porte de Versailles (Halle 5)
Frankreich hat zwar auf europäischer Ebene den Kampf
um ein Reinheitsgebot bei der Schokolade (es ging um die
ausschliessliche Verwendung von Kakaobutter) genauso verloren
wie die Deutschen beim Bier. Die in Frankreich produzierte
Schokolade ist jedoch nach wie vor der nationalen Gesetzgebung
unterworfen, wie eben das Bier in Deutschland auch.
Vorallem aber gibt es in Frankreich noch eine grosse Anzahl
von unabhängigen Schokoladeproduzenten, von denen nicht
wenige noch persönlich die Kakaobohnen in Afrika oder
Lateinamerika selektionieren.
Und manche von ihnen, das sieht man beim salon du chocolat,
erzeugen nicht nur sündhaft gute Schokolade, sondern
sind zusätzlich noch wahre Künstler, Bildhauer
oder Goldschmiede.
LEKTÜRE
Zum Abschluss, für die langen Herbstabende oder den
jardin du Luxembourg, ein Lesetipp: Undine Gruenter: „Pariser
Libertinagen“, Hanser Verlag, München 2005, €
17,90
Schönen Herbst!
Wolfgang Friedrich
www.themenreisen-paris.de
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