Newsletter April 05

FRÜHLING

Der Frühling ist da, die Forsythien und Magnolien blühen und nach der Umstellung auf die Sommerzeit geht jetzt, Anfang April, die Sonne in Paris erst deutlich nach 20h unter.

Mit dem Frühling hat es wahrscheinlich auch zu tun, dass sich die Museen in Europa ganz besonders einem Thema widmen:

In Tübingen zeigt die Kunsthalle unter dem Titel <Bordell und Boudoir> Cezanne, Degas, Toulouse-Lautrec und Picasso, in der Frankfurter Schirn ist <Die nackte Wahrheit> zu sehen, nämlich Klimt, Kokoschka und Schiele.

Und Gustav Klimt ist ebenso bis zum 30. Mai in Paris im musée Maillol ausgestellt. Interessanterweise hat sich ausgerechnet die französische Kuratorin keinen originellen Titel oder ein Wortspiel einfallen lassen, auf der Ausstellung steht ganz nüchtern genau das drauf, was drin ist:

<Gustav Klimt, papiers érotiques>

Zu sehen sind etwa hundert Zeichnungen, allesamt von jungen Mädchen, die selbstvergessen daliegen, wobei „selbstvergesssen“ vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist, denn dass sie sich selbst vergessen, ist genau genommen das letzte, das man von ihnen behaupten kann.

Alle diejenigen auf jeden Fall, die Gustav Klimt vor allem mit von Gold bedeckten Damen oder Blumenwiesen assoziieren, können hier einen ganz neuen Aspekt des Malers entdecken.

Der Frühling ist da, und es wurde auch Zeit:

Die Murano-Glaskugeln der Metrostation Palais Royal (siehe www.themenreisen-paris.de/metro) von Jean-Michel Othoniel haben die frostigen Temperaturen im Februar und März nur schlecht überstanden, sind teilweise gesprungen und nun sind die Glasperlenketten bis zu ihrer Instandsetzung in Plastik eingewickelt. Kein schöner Anblick, es soll aber nur ein paar Wochen dauern.

Dafür haben wir zum Ausgleich gleich nebenan den jardin des Palais Royal, und da ist ja, wie gesagt, der Frühling ausgebrochen.

Unmittelbar davor führt der Weg allerdings noch durch durch den Innenhof des Palais Royal, hier befinden sich seit 1986 die heftig umstrittenen Säulen von Daniel Buren, und für diese sieht es kaum besser aus als für die Glaskugeln der Metrostation. Im Boden, auf dem sie stehen, wurden Haarrisse festgestellt, Wasser dringt ein und tropft in die Räume, die darunter liegen. Die Gegner der Säulen wittern Morgen- oder eben Frühlingsluft und fordern ihre Beseitigung, es wird aber doch eher so sein, dass das ganze Gelände für 2,6 Millionen Euro saniert wird.

FILM

Frühling ist es auch im 2km weiter östlich gelegenen Parc de Bercy, Filmliebhaber würden es an diesem Ort freilich lieber sehen, wenn es schon Herbst wäre: Im Oktober wird hier im ehemaligen Amerika – Haus von Frank O. Gehry die 1935 von Henri Langlois gegründete Cinémathèque wiedereröffnet. In diesem weltweit grössten Filmarchiv sind dann nicht nur 40000 Filme aufbewahrt, sondern es werden auch täglich filmische Leckerbissen gezeigt, Vorträge und Diskussionen finden statt, technische Geräte, Kostüme und Requisiten werden zu sehen sein, kurz, der Wallfahrtsort für Amateure der siebten Kunst, wie man in Frankreich den Film häufig nennt, bekommt nach Jahren Ungewissheit und des Provisoriums eine neue seiner Bedeutung angemessene Adresse.

Wer selber einen Film drehen möchte und eine besonders schöne Frühlingskulisse sucht, käme im Park von Versailles auf seine Rechnung. „Käme“, denn dieses Jahr ist der Drehort schon vergeben. Sofia Coppola (Lost in Translation) dreht hier zur Zeit „Das Leben von Marie Antoinette“ . Da Dreharbeiten nur montags möglich sind, wenn die Anlage für das Publikum geschlossen ist, wird sie wahrscheinlich den grösseren Teil des Frühjahrs in Anspruch nehmen. Sie ist übrigens bei weitem nicht die erste, die hier einen Film macht: 160 Filme sind in den letzten 100 Jahren in Versailles entstanden. Und heute kostet das immerhin 15000 Euro pro Drehtag!

SPORT

42 km Frühling, und das im Dauerlauf, kann man am 10. April geniessen, wenn der Pariser Marathon stattfindet.

BRASILIEN

Noch farbenprächtiger als im Pariser Frühling ist es nur am Amazonas, das zeigt im Rahmen des Brasilienjahres eine Ausstellung im Grand Palais: <Brésil Indien>, indianische Kunst, bis 27. Juni.

Noch ein Tipp für Filmliebhaber:

13.-19. April: Cinéma Arlequin (6è) : brasilianische Filmwoche : <quasi dois irmaos>, Lucia Murat, 2004, <Justiça>, Maria Ramos, 2004, <Cazuza>, Sandra Wernek, 2004 uva, Vorträge, Diskussionen

Und schließlich:

La Maison de l’Amérique latine, 217, boulevard Saint-Germain, zeigt bis zum 9 Juni die Ausstellung „Cicero Dias – die brasilianischen 20er-Jahre“.

Und wer dieses Gebäude verwechselt mit der „Maison des Amériques Latines“, 3, rue Cassette, 75006 Paris, Métro : Saint-Sulpice, E-mail : info@maisondesameriqueslatines.com, kommt in den Genuss der Architekturausstellung:
<Brasilia, eine Metapher der Freiheit>, ein revolutionäres städtebauliches Projekt der 50er –Jahre ( bis 15. April).

BALZVERHALTEN

Zum Abschluss und weil Frühling ist, noch ein letzter Tipp:
Das Muséum national d’Histoire Naturelle, im Jardin des Plantes (wo Rilke sich einst die Inspiration für sein Gedicht „der Panther“ holte) zeigt: <Parades ou la séduction dans le monde animal> (57, rue Cuvier, 5è, Métro : Austerlitz, bis 16. Januar 2006)Unter anderem wird in dieser Schau deutlich, dass das erfolgreiche Balzen gar nicht so ungefährlich ist. So ist das, in der Tierwelt.

Ein schönes Frühjahr wünscht:

www.themenreisen-paris.de

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