Mit der kleinen Königin durch Paris

Langsam setzt sich auch in Paris das Fahrrad gegen gewachsene Traditionen und ausgewachsene Vorurteile durch, mit der derzeitigen Verkehrspolitik als Rückenwind.
Rührige Radfahrerorganisationen tragen das Ihrige dazu bei. Und für die Touristen eröffnen sich unangeahnte Möglichkeiten.

<La petite reine>, die kleine Königin nennt man umgangssprachlich in Frankreich das Fahrrad, und das klingt schon ein bisschen schmeichelhafter als 'Drahtesel’! Oder kommt dadurch zum Ausdruck, dass es sich um eine ganz seltene Erscheinung handelt, eine gekrönte Dame, die nur zu besonderen Anlässen in die Öffentlichkeit tritt? Es stimmt schon, Frankreich ist, vom Elsass einmal abgesehen, kein Fahrradland.

Früher einmal, da fuhren zwar die Schüler in die Schule, die Arbeiter in die Fabrik, die Angestellten ins Büro mit dem 'vélo’, das war aber ein 'vélosolex’, dieses war mit einem Minimotor ausgestattet, der eine kleine Walze antrieb, die man mit einem Hebel gegen das Vorderrad presste. Dann aber kam die Helmpflicht und prompt verschwand die kleine Königin mit der Walze aus dem Strassenverkehr.

Selber in die Pedale treten? Das wollte niemand
so recht, ganz abgesehen davon, dass es nicht unbedingt reizvoll ist, durch die von Autos ver-pestete Luft zu keuchen, da verpestet man lieber selber mit. Exit la petite reine, auch ohne Walze.

Aber ausgerechnet jetzt, da Paris seit 2001 von einer grün-sozialistischen Koalition regiert wird, ist die Monarchie, zumindest die der petite reine, wieder im Aufwind. Der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë und sein grüner Verkehrs-dezernent Denis Baupin werden nicht müde, den Autoverkehr zurückzudrängen. Damit aber die Autofahrer auch tatsächlich umsteigen auf den Öffentlichen Verkehr oder das Fahrrad, wurden allenthalben Busspuren und Fahrradwege angelegt. Mittlerweile gibt es in Paris insgesamt 300km Fahrradwege und bis 2010 sollen es 600km werden.

Hat also die kleine Königin wieder die Macht übernommen? Denis Baupin verweist zwar stolz darauf, dass der Fahrradanteil am Verkehr von 2002 auf 2003 um 25% zugenommen hat, aber er muss zugeben, dass damit noch immer nur 1% des gesamten Verkehrsaufkommens auf das Fahrrad fällt.

Zur Zeit hat die Stadtregierung genügend Rückhalt in der Bevölkerung, so dass sie diese Politik auch gegen grösste Widerstände fortsetzen kann. Neue Fahrradwege entstehen auf Kosten des Autoverkehrs, Parkplätze gehen verloren, statt dessen weisen massive Stahlbügel diese Flächen nunmehr als Fahrradabstellplätze aus.

Das alles für einen lausigen Prozentpunkt?
Denis Baupin weiss natürlich auch, dass das nicht reicht. Freilich, es werden sich nicht gleich Amsterdamer Verhältnisse einstellen, aber wenn es bei dem einen Prozent bleibt, wird die Autolobby die kleine Königin bald wieder zur Abdankung zwingen und ihre Fahrspuren und Parkplätze zurückfordern.

RANDOVELO

Damit das nicht eintritt, versucht eine Organisation wie <Paris Randovélo> ('rando’ ist die Kurzform von 'randonnée’, also Wanderung, Ausflug) das Fahrrad wieder populär, im Pariser Strassenbild heimisch zu machen. Eben mit <randonnées>.

Jeden Freitag Abend versammeln sich vor dem <Hôtel de Ville>, dem Rathaus, Hunderte von Radfahrern, und um 22h00 geht’s los! Begleitet von 10 - 15 ehrenamtlichen Mitgliedern von <Paris Randovélo>, die das Recht haben, den Autoverkehr anzuhalten, Strassen zu sperren, geht es quer durch Paris.

Die Strecke ist jeden Freitag eine andere, die Champs-Elysées und der Eiffelturm sind jedoch immer dabei. So ist das auch für den Touristen eine ideale Möglichkeit Paris einmal auf eine ganz andere Art kennen zu lernen. Und dazu muss man kein trainierter Sportler sein. Mörderische Steigungen sind nicht im Programm, für die ungefähr 25km sind drei Stunden angesetzt, eine 30m-Pause miteingerechnet.

Nun haben Parisbesucher normalerweise nicht ihr Fahrrad dabei. Kein Problem. Die RATP (die Pariser Verkehrsbetriebe) steht mit einem Bus voller Fahrräder bereit und vermietet diese um € 9 für den Abend.

Bei Tag gibt es das übrigens auch: Dazu muss man es sich allerdings so einrichten, dass man man am dritten Sonntag des Monats in Paris ist. Diese Tour beginnt um 11h00.

VIVE LA PETITE REINE!

Wolfgang Friedrich

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